Freiraumterrorismus

Nora Zukker / Anschlag vom 13.6.12

Sonntagnachmittag im Juni, MFO Park in Neu-Oerlikon. Nora Zukker liest ihren Heiditext, verstärkt und erhöht auf dem bepflanzten Metallgerüst. Die anwesenden Leute werden unfreiwillig zu Zuhörern, einige fliehen empört, andere täuschen vor, nichts von Heidi, Klara und roten Lippen zu hören, neugierig sind vor allem Murat, Murat und Serkan. Die Lesung dauert einige Minuten, das Gespräch mit den Jungs viel länger. Schlagfertig und auf eine uns imponierende Art und Weise stellen sie Fragen, geben gleich selber Antworten, und sie verstehen.

Der zweite Versuch, einen von Noras Texten zu parkieren scheitert im Oerliker Park am Exekutivorgan im weissen Wagen mit den orange leuchtenden Streifen. Die feiertägliche Ruhe scheint Herr und Frau Oerlikon unentbehrlich zu sein, nichts einfacher als die Kombination aus dem Griff zum Hörer und einer dreistelligen Nummer. Die beiden Polizisten im Sonntagsdienst beenden die Sache freundlicherweise mit nur einer Verwarnung, wir sind ja weder politisch noch religiös motiviert. Dafür aber emotional überwältigt.

Die Idee „Kunst und Kultur im öffentlichen Raum“ ist nicht neu. Wissen wir. Und die Idee mit Kunst in der Gesellschaft etwas bewegen zu wollen auch nicht. Wissen wir ebenfalls. Und trotzdem schlagen wir zu. Wir sind keine Künstler, wir sind ein Behälter. Unangekündigt, wenn der Sonntag vor sich hin lümmelt und es in der Öffentlichkeit menschelt, stellen wir uns auf, geben Raum für Inhalte und lassen Menschen Teil davon werden. Wie schon erwähnt, Murat hats verstanden: „Ah, ihr wänd Mänsche zämebringe!“