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DIE KOLUMNEN UND IHRE AUTOREN

Diese Kolumne ist eines der kulturellen Projekte des Verein Kernreaktor. Wir geben damit sechs jungen Schreiberlingen die Möglichkeit unsere Besucher zum Schmunzeln zu bringen oder brutal vor den Kopf zu stossen. Dabei widerspiegeln die Beiträge der Kolumne nicht die Meinung des Kernreaktors und sind mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Ironie zu verstehen. Wir bitten euch bei Gefallen, Wutausbrüchen oder anderen beschreiblichen Gefühlen um Kommentare, “mir gefällts” und postalische Rückmeldungen.

Hier nun noch ein Paar sehr ernst gemeinte Angaben zu unseren Kolumnisten:

GROSSSTADT-KOLUMNE VON ARTHUR PAULI

Ich orientiere mich vollkommen am Geschmack meiner Leser und werde meine Kolumnen den neusten Leserstatistiken von Kernreaktor und der WEMF anpassen. Darum schreibe ich über alles und nichts.

Entwürfe: Kommentiere ich Modetrends aus Mailand oder lass ich mich über die chicen Miniröcke im kalten Winter aus? Erwähne ich neueste Statistiken als Basis eines Vegetarismusartikels oder schreib ich frei von der Leber weg, dass Leber kurz gebraten und mit einem Zweig Thymian einfach köstlich schmeckt? Spreche ich mit einem Afghanen am canal St. Martin, der dort festsitzt, oder wiege ich die Vor- und Nachteile der europäischen Flüchtlingspolitik gegeneinander ab?

Darf’s auch mal philosophisch sein: Was bedeutet eigentlich Nachhaltigkeit? ohne mich dabei auf Derrida und Rawls zu stützen? Oder soll’s eher lustig zu und her gehen, im Sinne von bissigen Kommentaren zur neuen Frisur von X (die nicht nachhaltig sein wird) oder verbietet (VERBITTET!!!) sich Kernreaktor die Verbreitung von ”Leben-kann-töten”-Stickern für die Zigischachtel?

Über den Autor

Artuhr Pauli mag Männer mit Schnauz. Und Frauen mit Männerschuhen. Er lebt in Paris und stammt aus dem Germanischen Kulturraum, hat also einen waschechten mitteleuropäischen Migrationshintergrund. Er interessiert sich für Menschen und ihre Geschichten. Er ist weitsichtig und trägt darum eine Brille, die seine Augen gross wie griechische Oliven erscheinen lässt. Er hat einen Hang zum Alkoholismus und zum Dandytum. Er observiert die Dinge, die passieren, wenn nichts passiert, setzt sie in einen grösseren Zusammenhang und schmiedet daraus Anekdoten die er an öffentlichen Plätzen, in der Metro und an Cocktailparties zum Besten gibt. Er gilt als kritischer Zyniker und lebt dieses Paradoxon auch in den unmöglichsten Lebenslagen. Ab Dezember schreibt er für Kernreaktor.

DER TUBEL ROLLT VON KARL HIRSCHPFEFFER

Zwischen Lebenslust und Seiltanzen. Die Insider-Kolumne „der Tubel rollt“ erzählt vom Leben in einer speziellen Wohngemeinschaft. Einer Wohngemeinschaft auf Rollen. Inhaltlich werden verschiedene Standpunkte, Geschichten und Erfahrungen, die ich während meiner Arbeit mit körperlich Behinderten gesammelt habe, einfliessen.

Ziel ist es, mit sozialer Nachhaltigkeit und ausgeklügelter rhetorischer Finesse eine Realität zu schildern, die Vielen unbekannt ist.

Der Text wird dabei mit Kommas und Punkten und, wo für nötig befunden, allenfalls mit Strichpunkten oder Ausrufungszeichen unterstützt.

Über den Autor

Karl ist wohl kein typischer Pfleger.

Nach einer anfänglichen Odyssee durch den Orient des Landes wurde er aus den Fängen der Laverna befreit und in die Gefilde des Aesculapius katapultiert. Ausgestattet mit Schuhwerk der griechischen Siegesgöttin zog er los, um die Lichter der Kleinstadt zum Leuchten zu bringen. Und dazu brauchte er Geld.

Die Arbeit ist seine Einnahmequelle. Eigennützig, mag sein. Aber vielleicht liegt gerade darin sein Vorteil. Befreit von pseudosozialer Peacementalität und seelenvoller Selbstverwirklichungspragmatik behandelt er seine Mitmenschen so, wie sie sind.

DOUCHEBAG SUPERSUCKER VON POPEL ABART

Eins vorweg: Popel ist ein Drecksack. Ein Besserwisser. Ein Berserker, ein misogyner Sexist, ein verkappter Rassist und ein wahrhaft paranoides Arschloch ohne Moral und Anstand – könnte man meinen. Da liegt dann eben auch der Hund begraben – oder um es auf des Pudels Kern zu bringen: Wenn Popel stolz auf seine zoophile Neigung ist (die sich mitunter auch darin äussern könnte, dass er über den Beischlaf mit Robbenbabies phantasiert), dann konfrontiert er seine Leser implizit auch mit deren eigenen Wertvorstellungen und Weltbildern. Im Zuge der Minarett-Initiative wäre es beispielsweise (und selbstverständlich!) Popels Aufgabe, darauf hinzuweisen, dass man der „ungebremsten Ausbreitung der Muselmänner und –frauen zwingend Einhalt gebieten muss, weil sie bekanntlich Kinder essen und immer nur C-A-F-F-E-E trinken…“. Popel greift aktuelle Themen, die das Erdenrund, aber auch die kleine Schweiz oder gar einfach nur das Zahnärztliche Institut bewegen, auf und verdreht Tatsachen, Ursachen und Wirkungen und dekonstruiert radikal. Es geht um Stereotype und Vorurteile, aber vor allem darum wie kontraproduktiv derlei Abstrakta sind. Dies soll durch Popels beschränkten Bierdeckelradius deutlich zum Ausdruck kommen. Und, äh, ach ja: Tarzanelli!

Über den Autor

Popel Abart stammt aus Fislisbach AG, ist 32 Jahre alt und dreifach geschieden. Wegen Urkundenfälschung sass er mehrere Monate ein.

EIN MUNI AUF DER WIESE ERZÄHLT VON KENNY HURTS

Als Schreiberling hab ich mich noch nie gesehen. Ja, ich hab oft eine grosse Klappe, bin aber eher der praktische Typ. Dies soll auch in meiner Kolumne zur Geltung kommen. Die Wahrheit tut oft weh. Das nachhaltige Leben auch? Zu Beginn ganz bestimmt. In dieser Kolumne soll thematisiert werden, wie man sich Schritt für Schritt an eine nachhaltige oder besser gesagt nachhaltigere Lebensweise annähern kann. Konkret wird euch Kenny – ein gebürtiger, massiver Zürcher – eines Besseren belehren.

Über den Autor

Kenny Hurts kam im Triemlispital, Maternité im Jahre 1983 zur Welt. Seine Mutter Rösli Hurts ist Friseuse, sein Vater Hank Hurts (amerikanischer Abstammung mit türkischem Backround) ist Taxichauffeur. Dieser kam nach einer Schiesserei im Struss – das Loch im Tisch erinnert noch daran – beinahe ums Leben. Er schien sein zweites, neu gewonnenes Leben nicht wirklich zu schätzen, denn er saufte und rauchte mit völliger Hingabe wie nie zuvor. Wie auch immer. Kenny war von seinem vermeindlichen Vorbild nicht sonderlich angetan und entschied sich schon in jungen Jahren für ein bewusstes Leben, ohne Rauch, Alkohol (ja, diese Abstinenz hielt nicht lange an, aber immerhin) und Fleisch. Mit zunehmendem Alter und Intelligenz strich er auch Milchprodukte und Eier aus seinem Speiseplan und wuchs zwischen Sojaproteinshakes und Räuchertofu zu einem massiven Kasten heran und bekam den Namen “Bulle von Zürich”. Ja dieser Name passte hervorragend zu ihm, denn er verbrachte seine Zeit gerne auf der Wiese. Schliesslich war er Obst-und Gemüsebauer. Vor ein paar Jahren verkaufte er aber seinen kleinen Hof und zog in die Aorta der Stadt, dem Lochergut. Er machte sein Hobby – das Kochen – zum Beruf und betreibt heute illegal eine Beiz bzw. Restaurant an der Langstrasse, wo man nur durch connections reinkommt, um die unglaublichen köstlichkeiten geniessen und bei einer kühlen Flasche Einsiedler entspannen zu können.

NACHHALTIG KRANKHAFT VON PAUL

Paul ist krank. Wo normale Menschen den Schatten eines Baumes sehen, sieht Paul ein schwarzes Loch, das ihn dematerialisieren will, wo ein Kartenleser ist, ein Gerät, das Einkaufspräferenzen sammelt, welche zu staatssicherheitstechnischen Zwecken direkt an den schweizerischen Nachrichtendienst weitergeleitet werden. Um nicht irgendwann als paranoider alter Mann zu enden, welcher am Stauffacher, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Lichthof seine Mitmenschen belästigt, versucht Paul nachhaltig krankhaft für eine nachhaltigere Welt zu werden.

Über den Autor

Paul, 32, unverheiratet, paranoid. Er isst mit Vorliebe nur die Ecke vom Joghurt mit der Ecke, weil er denkt, dass das Joghurt vom Joghurt mit der Ecke süchtig machende Ingredienten enthält.

NEUE KRITIK DER URTEILSKRAFT VON ELEKTRA TANNENBAUM

Elektra wird hier vornehmlich fluchen – über die vielen Dilettanten, die unberechtigt über alles fluchen. Und sie wird Euch sagen, was gut ist: Welche Mixtur die schönste Trunkenheit aller Zeiten bereitet und welche Berufsgattung die besten Liebhaber formt.

Sie glaubt an die feinen Unterschiede.

Über den Autor

Elektra Tannenbaum – geboren 1987 als Elektra Baklava Tannenbaum in Jerusalem – ist in allem, was sie tut, eine Besserwisserin. Sie fühlt, denkt, sagt und versteht alles besser, und dieses Bessere schreibt sie auf, hier. Sie hat Augen wie die wilden Tiere sie besitzen: Sie sehen alles. Deswegen glaubt sie, auch alles intensiver zu erleben.

Elektra stammt einer alteingesessenen Frankfurterischen Tuchhändlerfamilie ab, die sich im Laufe der Jahre über die ganze Welt verteilt hat. Ein französischer Spross der Tannenbaumfamilie – Elektras Grossvater – war der erste Mann, der ohne Sicherheitsnetz auf dem Eiffelturm turnte. Er hat ihr im Laufe ihrer Kindheit viele Verrenkungen beigebracht und leistete auch einen grossen Beitrag in der Formung ihres Wesens: Sie übernahm seine Schroffheit und seinen sturen Eigensinn, aber auch seinen französischen Appetit und Durst und seinen ganz unfranzösischen Bewegungsdrang.

Ansonsten ist ihre Haltung nicht unbedingt Frankreich zugewandt: Elektra sieht gen’ Westen, nach Amerika, wo sie in die Autobahnen, die hohen Häuser, aber auch in die Papphüttensiedlungen verliebt ist. Täglich stösst sie auf polemische Antiamerikanismen, auf Berufsnörgler, die in Amerika die Ursache für ihren tristen Alltag zu finden glauben (get a fucking life). Sie treibt sich in letzter Zeit häufiger mit einem Trenchcoat-tragenden Ökonomen herum; man sagt, sie geniesse es, Zeit mit einem rational denkenden Menschen zu verbringen, mit dem man keine Diskussionen über McDonalds-Ethiken führen müsse.

WAS MUSS MUSS

Horst führt kein Tagebuch. Dafür hat er keine Zeit. Aber die kleine Wanze in seinem Kopf hört mit und fängt die Gedanken ein.

Über den Autor

Horst Dieter Schmidt wurde per 1. Mai 2008 ins Group Management Board berufen.

Horst Dieter Schmidt, Jahrgang 1955, ist deutscher Staatsangehöriger. Er studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Jurisprudenz und Betriebswirtschaftslehre. 1982 promovierte er an der Universität St. Gallen nach seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Versicherungswissenschaft mit Auszeichnung.

Im September 1983 trat er in die Allianz Versicherungs-AG ein und arbeitete in einem Projektteam, das mit der Restrukturierung des Konzerns betraut war. 1986 wechselte er in die Personalabteilung der Münchener Rück und leitete die Abteilung Management Development.

Von 1995 bis 2004 war er als Leiter Personal Schweiz bei der KPMG tätig.

Von 2004 bis Mai 2007 war er Leiter von SR Consultancy (interne Beratung) für die Swiss Re Group und wurde im Januar 2008 zum Leiter der Division Human Resources ernannt.

KORREKTORAT

Für die einheitliche deutsche Sprache zeichnen sich Kathrin Bentele, Isabel Kiefer und Sarah Bleuler verantwortlich. Vielen Dank für den unerbittlichen Einsatz gegen den Orthographieteufel und das Kommamonster!